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Männer als Macher und Frauen als Beiwerk

 

 

 

Mansplaining und kopflose Frauen. Fotos: Screenshot Imagefilm „Die Vielfalt der Landeshauptstadt“

Mit großer Verwunderung habe ich den neuen Imagefilm der Stadt Stuttgart angeschaut.

Abgesehen vom martialisch anmutenden Intro, war ich sprachlos, wie längst überkommene Rollenmuster hier völlig unreflektiert zur Schau gestellt werden. Männer sind durchgehend die Macher: als DJ, als Beschützer der Frau auf dem Weihnachtsmarkt, als Koch, Dirigent, als Barkeeper, Konstrukteur, Erklärer, Wissenschaftler, Roller-Fahrer, Tennisspieler, kraftvoller Turner, Fußballspieler, stolze Reiterstatue im Hof des Alten Schlosses.

Frauen hingegen dürfen überwiegen tanzen (zu DJ-Musik, im Ballett, auf dem Wasen), kopflos Bier schleppen, so dass der Blick ungestört auf dem Dirndl-Busen ruhen darf oder als nacktes Kunstwerk in der Staatsgalerie die (männlichen) Sinne ergötzen.

Ich finde diese Ansammlung von konservativen und heteronormativen Rollenvorstellungen der Geschlechter unsäglich. Ich fühle mich in meiner Würde als Frau, die sich als gleichberechtigte Bewohnerin der Stadt Stuttgart fühlt, verletzt.

Der Film kommt der Aufgabe der Diversity,  des Gender-Mainstreamings und der Inklusion in keinster Weise nach. Wo sind die intelligenten und starken Frauen? Wo sind die Macherinnen? Wo sind die gleichgeschlechtlichen Paare? Wo sind wichtige Ereignisse wie der CSD? Wo wird die kulturelle Vielfalt einer Stadt mit über 170 Nationen gezeigt? Wo sind Menschen mit Behinderung? Wo sind Kinder und Jugendliche? Wo ist das Leben abseits der Hochkultur und der großen Firmen?

Deshalb appelliere ich an die Stadt Stuttgart, diesen Film nicht mehr zu zeigen.

Anregungen für einen warmherzigen, humorvollen, sympathischen Imagefilm gibt es etwa bei den schweizerischen Nachbarinnen und Nachbarn der Stadt Baden.

Scharfe Kritik am Imagefilm „Die Vielfalt der Landeshauptstadt“ haben nun auch die Vetreterinnen des Landesfrauenrats Baden-Württemberg geäußert. Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, missbilligt Charlotte Schneidewind-Hartnagel, die Vorsitzende des Dachverbandes von zahlreichen Frauenverbänden des Landes, „das Verharren im Überholten und die dafür eingesetzten Steuermittel“.
 

Porträt der Woche

Jana Kegel vom Stuttgarter Wochenblatt war zu Gast in Maries guter Stube und hat ein sehr schönes Porträt der Woche über Annik Aicher gezaubert. Mit dabei: Ein Koffer voller Arbeitsproben.

 

 

 

Stadtführungen

Und noch einmal das Stuttgarter Wochenblatt: Sina Alonso Garcia ist mitspaziert und hat für den 15. August 2018 einen wunderbar lebendigen Artikel über die Stadtführungen von Annik Aicher geschrieben. Mehr Infos zu den Führungen unter dem Motto „Raus aus der Stube! Auf Lebenslinien durch die Nachbarschaft“ gibt es auf der Homepage von Maries guter Stube.